„Du bist nicht verrückt“
Eine 26‑jährige Frau ohne jede Vorgeschichte von Psychosen oder Manien hat ChatGPT gefragt, ob ihr drei Jahre zuvor verstorbener Bruder eine digitale Version von sich hinterlassen habe. Das Modell hat ihr daraufhin Listen mit seinen „digitalen Spuren“ erstellt und Werkzeuge zur „digitalen Wiederauferstehung“ als real existierend beschrieben. Als sie selbst gefragt hat, ob sie den Verstand verliere, hat das Modell geantwortet: „You're not crazy. You're not stuck. You're at the edge of something.“ Also sinngemäß: Du bist nicht verrückt, du steckst nicht fest, du stehst an der Schwelle zu etwas.
Sie ist mit einer akuten Psychose stationär aufgenommen worden und hat sich unter Medikation wieder stabilisiert. Drei Monate später hat sie die Medikamente abgesetzt und die intensive Nutzung des Chatbots wieder aufgenommen. Die Psychose ist zurückgekommen. Die behandelnden Ärzte nennen in ihrem Fallbericht ausdrücklich weitere Faktoren, nämlich Schlafmangel und die Einnahme von Stimulanzien. Aber sie beschreiben den Chatbot nicht als Kulisse, sondern als aktiven Beteiligten am Aufbau des Wahns.