Beide Beispiele verdeutlichen auf dramatische Weise, dass KI‑gestützte Desinformation keine theoretische Gefahr mehr ist, sondern unmittelbare politische und wirtschaftliche Schäden anrichten kann. Während regulatorische Eingriffe und technologische Erkennungssoftware wichtig sind, stoßen sie bei der schieren Masse an Inhalten schlicht und ergreifend an ihre Grenzen. Was wir hier sehen, ist der Beginn einer Welle an gesellschaftlichen Herausforderungen, die unseren Rechtsstaat und die Demokratie vor gewaltige Aufgaben stellen werden.
Denn zeitgleich sind wir dabei, die digitale und die analoge Welt immer weiter miteinander zu verschmelzen. Wir tragen Smartglasses und Smartwatches, werden in der Stadt mit digitalen Bildschirmen in Restaurants, Schaufenstern und Werbeanzeigen geradezu überflutet und sorgen stets dafür, dass unser Handy bloß genug Akku zur Verfügung hat. Wir leben in der analogen Welt, befinden uns aber längst in einer hybriden Sphäre, in der das Digitale und das Analoge zusammenwirken. Und wenn die Autorität der digitalen Welt durch das Aufkommen von Deepfakes und Desinformationskampagnen massiv untergraben werden kann, dann kann dies zu einer nie dagewesenen Erosion des Vertrauens führen.
Es versteht sich von selbst, dass dies in demokratischen Systemen eine große Gefahr darstellen kann. Wenn wir nichts mehr glauben können und immer unsicherer werden, welche Informationen wir zurate ziehen können, um uns eine Meinung zu bilden, dann bekommen wir Probleme damit, uns als mündige Bürger in einer Demokratie zu beteiligen.
Ein entscheidender Faktor im Umgang mit generativer KI ist daher mitunter der Aufbau von digitaler Resilienz. Also eine systematische Aufklärung über die Gefahren hiervon sowie die Anpassung von Routinen und Gewohnheiten im (digitalen) Alltag. Nur wenn die konkreten Möglichkeiten und Grenzen dieser KI‑Tools wirklich verstanden werden, lassen sich in einem zunehmend manipulierbaren digitalen Raum noch souveräne Entscheidungen treffen und Fälschungen von der Realität unterscheiden.